Warum haben die schönsten Menschen die hässlichsten Hunde?

Gleich vorweg: Ich mag Möpse! Aber auch die grössten Mops-Liebhaber werden mir kaum widersprechen: Nach gängigen ästhetischen Vorstellungen gelten sie nicht gerade als Schönheiten. Die Trivialpsychologie sagt nun, dass schöne Menschen hässliche Hunde aussuchen, damit sie im Vergleich zu diesen noch makelloser aussehen.

Peter Näf
Zürich, September 2026

Entwarnung! Die These dürfte wissenschaftlich kaum haltbar sein.

Als Bild für meine folgende Beobachtung eignet sie sich dennoch hervorragend: Menschen werden in der Personalselektion immer im Vergleich zu einer Referenzgruppe beurteilt. Bewerbung und Rekrutierung sind keine exakte Wissenschaft, sondern eher eine Kunst, die auf Erfahrung beruht (siehe Artikel).

Bewertung ist relativ

Ob ich einen Menschen als talentiert wahrnehme, hängt davon ab, mit wem ich ihn vergleiche. Der beste Golfspieler ist in seinem Heimklub ein Held, im Vergleich zu Tiger Woods aber ein Anfänger. Meist sind wir uns dieser Referenzgruppen gar nicht bewusst. Wenn wir sie uns bewusst machen, können wir Einfluss nehmen, wie das folgende Beispiel zeigt:

Ein Kunde kam zu mir ins Job-Interviewtraining, da er nach mehreren Bewerbungsgesprächen wiederholt das Feedback erhalten hatte, dass er sich zu wenig klar ausdrücke. Ich simulierte mit ihm ein Job-Interview. Tatsächlich fiel es ihm schwer, sich klar auszudrücken. Auch nach einem weiteren Training blieb seine Kommunikation hinter seinem beeindruckenden beruflichen Werdegang zurück. Ich begann, an seiner Differenziertheit zu zweifeln, und schätzte ihn nicht besonders hoch ein.

Erzählen Sie Ihre ganze Geschichte!

Dann fiel mir etwas auf: Mein Kunde sprach Schweizerdeutsch mit einem leichten fremdländischen Akzent. Sein CV gab dazu wenig her: Schweizer, Muttersprachen Deutsch und Spanisch, erster Eintrag: Lehrabschluss. Ich wagte die Frage, wo er seine ersten Lebensjahre verbracht hatte. Die Frage war ihm sichtlich unangenehm. Doch seine Antwort erklärte vieles: Er war im Alter von 15 Jahren ohne Deutschkenntnisse in die Schweiz gezogen. Er lernte in kurzer Zeit Deutsch und absolvierte anschliessend ohne Umwege eine erfolgreiche Ausbildungs- und Berufskarriere.

Da ich ihn jetzt nicht mehr mit deutschsprachigen Muttersprachlern verglich, kam ich zu einem deutlich positiveren Bild von ihm. Bewerbende erzählen oft zu wenig über ihren Ausgangspunkt und nehmen Recruitern damit die Möglichkeit, sie mit der passenden Referenzgruppe zu vergleichen.

Wie sich im Gespräch zeigte, hatte er den Lebenslauf bewusst und geschickt so formuliert, dass sein Migrationshintergrund nicht sichtbar wurde. Schade – denn damit hatte er sich selbst mit Menschen verglichen, die sprachlich einen Vorsprung hatten. Dort fiel er etwas ab.

Ein kluger Mops würde auf meine freche Bemerkung im Einstieg wohl antworten: Ich bin vielleicht nicht der schönste Hund, aber unter den Möpsen bin ich einer der attraktivsten!

#jobinterview #selbstmarketing #kommunikation