Wer keine klare Adresse hat, kriegt keine Post

Ein Interessent für ein Bewerbungscoaching kontaktierte mich zuerst per Telefon, dann sandte er mir unter seiner geschäftlichen E-Mail-Adresse seinen CV. Darauf war seine private E-Mail-Adresse sowie eine andere Mobile-Nummer vermerkt. Gemäss CV hatte er zwei Vornamen. Die geschäftliche E-Mail-Adresse enthielt den ersten, er unterzeichnete aber mit dem zweiten. Verwirrung – bevor wir begonnen hatten zusammenzuarbeiten.

Peter Näf

Soll ich auf die geschäftliche E-Mail-Adresse antworten oder aus Diskretionsüberlegungen besser die private verwenden? Fragt er diese regelmässig ab – schliesslich scheint sein Anliegen zeitkritisch? Ich muss darauf achten, die geschäftliche von der privaten Nummer zu unterscheiden, um ihn nicht mit einem Anruf in Verlegenheit zu bringen.

So viele Überlegungen zur simplen Frage: «Wie heissen Sie und wie kann ich Sie erreichen?».

Wer schon rekrutiert hat, weiss: Solche Unschärfen bedeuten Zusatzaufwand. In einem ausgetrockneten Arbeitsmarkt fällt das weniger ins Gewicht.

Reibung kostet Chancen

Ähnliche Situationen erlebe ich regelmässig: Kundinnen und Kunden, die ihren Namen so schnell sprechen, dass ich mehrmals nachfragen muss (siehe Artikel: «Mein Name ist Bond – James Bond»). Coachees mit Doppelnachnamen, die sie mal tragen, mal nicht. Oder Vornamen, bei denen ich zuerst auf LinkedIn nachsehen muss, um das Gegenüber korrekt anzusprechen.

Was wie ein Nebenschauplatz wirkt, hat es in sich. Menschen korrekt anzusprechen ist eine Frage des Respekts. Es über die richtigen Kanäle zu tun, eine Frage von Effizienz – und Diskretion.

Gerade in Zeiten der Informationsüberflutung ist Einfachheit entscheidend. Wird es zu kompliziert, geht die Rekrutiererin zum nächsten Kandidaten, sofern sie Auswahl hat. Das gilt nicht nur im Arbeitsmarkt, sondern ebenso im Markt für Dienstleister. Auch ich habe dafür Lehrgeld bezahlt.

Memory für Unternehmensgründer

Was es bedeutet, schlecht adressierbar zu sein, lernte ich in der Coachingausbildung. Eine Kursleiterin bat uns 16 Studierende aufzustehen. Mit einem Ball in der Hand erklärte sie das Spiel: Jede und jeder denkt sich eine Zahl aus – egal wie gross. Ich wollte es nicht zu simpel machen und wählte vierstellig: 5387. Sie warf den Ball einer Person zu, diese nannte ihre Zahl. Im weiteren Verlauf spielte man sich den Ball gegenseitig zu und wer die «Adresse» der Person korrekt nennen konnte, erhielt einen Punkt.

Ich bekam den Ball und sagte: 5387. Mit hin- und herwanderndem Blick versuchte sich mein Mitspieler die Zahl zu merken. Ich spielte weiter an die Nummer 8; mein erster und zugleich letzter Punkt. Danach spielten die Nummern 8, 5, 7 und 10 unter sich. Wir drei- und vierstelligen blieben aussen vor.

Das war frustrierend, denn ich gewinne gerne. Seither bemühe ich mich, es meinen künftigen Kundinnen und Kunden so einfach wie möglich zu machen, mich zu finden.

Unternehmen investieren viel in ein einheitliches Corporate Design, um ihre Wahrnehmung zu vereinfachen. Warum sollten Sie weniger Sorgfalt auf Ihr Personal Design verwenden? Sichtbarkeit beginnt nicht mit Lautstärke, sondern mit Klarheit. Wer eindeutig erkennbar ist, wird leichter angesprochen – und erinnert.

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