Bringen Sie Kausalität in Ihre Karrieregeschichte

«Die Königin starb, und dann starb der König». Mit diesem Satze erklärt der Autor E.M. Foster, was eine Story von einem Plot unterscheidet: Kausalität. Im ersten Satz stehen zwei Ereignisse nebeneinander – ohne Zusammenhang. Genau das beobachte ich oft, wenn meine Kundinnen und Kunden ihren Werdegang schildern. Wie lautet nun der gleiche Satz mit Bedeutung?

Peter Näf

«Die Königin starb, und der König starb vor Kummer.»

Mit diesem Bild habe ich endlich eine griffige Formel gefunden, wie ich meinen Kundinnen und Kunden erläutern kann, dass die Antwort auf die Frage «Stellen Sie sich bitte kurz vor» im Job-Interview mehr ist als eine Wiederholung dessen, was im Lebenslauf steht: Sie ist sinnvoll und eine grosse Chance für die Bewerbenden.

Der schriftliche Lebenslauf ist eine Aneinanderreihung von beruflichen Stationen, die sich nicht aufeinander beziehen. Erst wenn deutlich wird, wie sie aufeinander aufbauen, entsteht ein stimmiges Gesamtbild.

Wenn der Kontext alles verändert

Ein Kunde hatte zwei aufeinanderfolgende Stellen, wobei die neuere weniger qualifiziert war als die vorherige. Das wirkte wie ein Abstieg. Erst seine Erklärung veränderte das Bild: Seine Frau stieg nach einer Familienpause wieder ins Berufsleben ein, er übernahm mehr Betreuungsaufgaben. Gleichzeitig wollte er von der Finanzdienstleistung in die produzierende Industrie wechseln – und nahm den Rückschritt bewusst als Investition in diesen Wechsel in Kauf. Das machte Sinn.

Auch die kurzen Stellenwechsel einer anderen Kundin wirkten zunächst unstet. Erst im Gespräch wurde klar: Nach vielen Jahren sehr selbständiger Arbeit war ihr nicht bewusst, wie stark kontrollierend manche Führungskulturen sein können. Zweimal passte es deshalb nicht. Ohne diesen Kontext hätte sie als sprunghaft gegolten – mit ihm wurde ihre Entwicklung nachvollziehbar.

Diese Beispiele zeigen: Lassen Sie vermeintlich heikle Punkte nicht weg. Erklären Sie, wie sie zu Ihrer Entwicklung beigetragen haben.

Geben Sie Ihrem Lebenslauf Sinn

George Saunders, in dessen Buch ich den Satz über König und Königin zitiert fand, arbeitet mit jungen Autorinnen und Autoren zusammen. Er behauptet, dass er sich ein sicheres Urteil darüber erlaube, wer von ihnen einen Verlag finden werde: Es seien die, welche gelernt hätten, Kausalität herzustellen.

Sind auch Menschen erfolgreicher, die in ihrer eigenen Karrieregeschichte Kausalität und damit Bedeutung herstellen können? Zufriedener sind sie auf jeden Fall. In diesem Zusammenhang kriegt die Sinndiskussion im Berufskontext eine neue Bedeutung: Sinn verleiht nicht die Arbeit an sich, sondern, was Sie darin sehen.

Voraussetzung ist, dass Sie die Autorenschaft über Ihre Lebensgeschichte übernehmen. Dass Sie ihr eigenes Skript leben und nicht das, das andere für Sie geschrieben haben.

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