Mein bester Assistent heisst Johann

Eine Freundin sagte mir: «Ich bewundere Dich – Du schreibst jede Woche einen Artikel für LinkedIn. Ich könnte das nicht.» Meine Antwort: «Ich auch nicht.»

Peter Näf
Zürich, September 2026

Mich jede Woche hinzusetzen und mir etwas Neues auszudenken – undenkbar. Dafür hätte ich weder die Zeit noch die Nerven. Ich schreibe stattdessen während einer Woche zehn Artikel. Danach beschäftige ich mich lange Zeit nur noch am Rande mit meinen Artikeln. Wie schaffe ich diese Anzahl in so kurzer Zeit? Ich habe Helfer.

Der beste Assistent, den Sie haben können

Meine Helfer sind Zeit, ein talentierter Assistent und ein verlässlicher Ideenspeicher.

Zu meinem Assistenten: Nein, ich beschäftige keinen Studenten in Teilzeit. Und nein – es handelt sich auch nicht um KI – das ist der zweite Assistent und kommt erst am Schluss zum Einsatz. Mein erster Assistent heisst Johann. Er sitzt in meinem Kopf und hört normalerweise auf den Namen Gehirn.

Aber eines nach dem anderen. Woher stammen die Ideen für meine Artikel? Aus meinem Berufsalltag. Ich begegne ihnen täglich in den Geschichten meiner Kundinnen und Kunden und den Herausforderungen, vor die sie mich stellen. Kommt mir eine Idee für einen Artikel, schreibe ich sie sofort in meinen Ideenspeicher, damit sie nicht verloren geht.

Jetzt übernimmt mein erster Assistent: Johann kennt nun die Themen, mit denen ich mich in Artikeln auseinandersetzen will. Er hält im Alltag Ausschau nach passenden Erlebnissen, erkennt Muster und verknüpft Themen mit meinen Konzepten und meiner Lektüre. Darin ist er brillant! Eine Fähigkeit allerdings fehlt Johann: Er kann nicht schreiben. Daher erfasse ich seine Inputs in meinem Ablagesystem bei den einzelnen Artikelideen.

Gut Ding will Weile haben

Und so reifen die Artikel über den Zeitraum von Wochen oder Monaten vor sich her. Einzelne Ideen keimen nicht und verharren im Anfangsstadium. Mit der Zeit kristallisieren sich die Themen heraus, die reif für einen Artikel sind. Bei diesen ergänze ich meine Notizen, notiere erste Formulierungen und entwickle einen möglichen Aufbau.

Dann kommt die intensive Zeit des Schreibens. Ich arbeite gleichzeitig an verschiedenen Artikeln. Immer wieder kommen Fragen auf, die ich an Johann delegiere. Oft gehe ich abends alle Artikel durch und stelle fest, wo ich nicht weiterkomme. Dann lasse ich die Themen liegen. Johann übernimmt. Während ich arbeite, spazieren gehe oder schlafe, sucht er weiter nach Mustern und Verbindungen.

Wenn ein Artikel steht, kommt mein zweiter Assistent KI zum Einsatz. Ich lasse ihn den Artikel beurteilen, unter anderem hinsichtlich Dramaturgie, Verständlichkeit und Schlüssigkeit der Argumentation. Als Lektor ist KI genial. Sie merkt, wenn die Argumentation nicht stimmt oder ich zu viele Gedanken in einen Artikel packe.

Anschliessend überarbeite ich den Artikel, bis ich zufrieden bin. Und für den Feinschliff der orthografischen und grammatikalischen Korrektheit sowie für das Ausmerzen sprachlicher Stolpersteine kommt dann noch einmal KI zum Einsatz.

Für mich lautet die Frage nicht: «KI – ja oder nein?» Sondern: «Wofür setze ich sie sinnvoll ein?» KI ist ein hervorragender Assistent. Mein bester Assistent bleibt trotzdem Johann. Er arbeitet rund um die Uhr – auch wenn ich schlafe.

#ressourcen #coaching #karriere