Und – wie viele Köche werkeln in Ihrer Karriereküche?

Nach einem Vorgespräch betreffend ein Bewerbungscoaching war ich etwas irritiert. Hatte ich jetzt tatsächlich dem jungen Mann durch die Blume abgeraten, mit mir zusammenzuarbeiten? Ich kam mir vor wie eine «Fat Cat» mit der Haltung: Achtung – Kunde droht mit Auftrag! Was veranlasste mich dazu, diesen Auftrag ziehen zu lassen?

Peter Näf
Zürich, Dezember 2026

Nach einiger Überlegung hatte ich eine Erklärung: Es fühlte sich an, als könnte ich der eine Koch zu viel sein im Sprichwort «Zu viele Köche verderben den Brei». Wie kam ich darauf?

Ich wurde dem Interessenten von einem Bekannten empfohlen, mit dem ich früher erfolgreich zusammengearbeitet hatte. Er war schon seit langem auf Stellensuche und durch die vielen Absagen sehr verunsichert. Es zeigte sich, dass er bereits mit Freunden, Beraterinnen und Bekannten aus dem Personalbereich gesprochen hatte. Und natürlich hatte er auch schon ausgiebig KI befragt. Ich fühlte mich wie die letzte Chance.

Wenn Beratung mehr verwirrt als klärt

Ich hatte seinen Lebenslauf vor mir und sah viel Optimierungsbedarf, spürte aber bei ihm wenig Motivation, ihn nochmals zu überarbeiten. Er hatte ihn bereits mehrfach überarbeitet – immer wieder auf Anraten anderer.

Für mich ist es etwas vom Gefährlichsten in der Bewerbung, mit zu vielen Leuten zu sprechen. Die Ratschläge widersprechen sich teilweise diametral, und jeder neue Input stiftet mehr Verwirrung, als dass er Klarheit schafft.

Aus dem gleichen Grund stehe ich zusätzlichen Bewerbungskursen oft skeptisch gegenüber, wenn Stellensuchende bereits individuell begleitet werden. Mehr Ratschläge schaffen häufig mehr Verwirrung als Klarheit. Und der Austausch mit Menschen in derselben Situation wird zwar von einigen geschätzt, von anderen jedoch als wenig hilfreich oder sogar entmutigend erlebt.

Der beste Ratgeber ist der gesunde Menschenverstand

Ich habe eine klare Vorstellung davon, worauf bei einer Bewerbung zu achten ist. Bewerbungen kann man aber wie jedes andere Thema unterschiedlich angehen, und oft führen verschiedene Wege zum Ziel. Was jedoch selten funktioniert, ist das unkritische Umsetzen von Tipps unterschiedlicher Herkunft.

Oft höre ich von meinen Kundinnen und Kunden auf meine Empfehlungen hin: «Früher hatte ich es genauso gemacht, aber jemand hat mir erzählt, heute werde das ganz anders gemacht.» Viele Bewerbende ersetzen ihren gesunden Menschenverstand durch die letzte Empfehlung, die sie gehört haben. Frage ich nach, ob sie der Tipp damals überzeugt hat, erhalte ich meist ein klares Nein.

Um es im Bild des Kochens auszudrücken: Bevor Sie eine neue Köchin in Ihre Küche lassen, prüfen Sie, wo sie gelernt hat zu kochen! Und auch wenn sie ihr Handwerk beherrscht: Lassen Sie sie nur herein, wenn Sie sicher sind, dass Sie der Chef sind. Ansonsten könnte sie tatsächlich die Köchin zu viel sein, die den Brei verdirbt.

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